Azubi-Gottesdienst im Michel: Hindernisse als Chancen begreifen
„Wie gehst du mit Hindernissen um? Was machst du, wenn es einmal nicht so rund läuft?“ – Diese Fragen standen im Mittelpunkt des diesjährigen Azubi-Gottesdienstes im Hamburger Michel. Vier Auszubildende hatten den Gottesdienst vorbereitet und brachten ihre ganz eigenen Erfahrungen ein. Da war zum Beispiel Shirin (20), die eine Ausbildung zur Friseurin für pflegebedürftige und geriatrische Menschen macht. Sie erzählte, wie sie sich neuen Aufgaben stellt – etwa einem Haarschnitt, den sie noch nicht kennt: Nachfragen, offenbleiben, die Herausforderung annehmen.
Für Brian (21), der sich in der Ausbildung zum Pflegefachmann befindet, sind Hindernisse eher eine Art Selbstprüfung: Sie zeigen ihm, wo er steht – und machen ihn am Ende stärker. Andere Azubis berichteten davon, wie wichtig es ist, Schwierigkeiten offen anzusprechen, Hilfe zu suchen und nicht die Hoffnung zu verlieren. Oder davon, dass auch ein steiniger Weg ein schöner Weg sein kann, weil man dabei über sich hinauswächst. Die Stimmen der Azubis zogen sich wie ein roter Faden durch den Gottesdienst: ehrlich, persönlich und voller Mut.
Auch Propst Dr. Martin Vetter griff in seiner Ansprache die Erfahrungen der Azubis auf. Er vertrat die verhinderte Bischöfin Kirsten Fehrs und sprach die Jugendlichen direkt an. Dabei erinnerte er daran, dass nicht alles in der Ausbildung glatt läuft und manche Aufgaben herausfordernd sind. Rückblickend erkenne man jedoch oft, dass genau diese Hindernisse einen stärker machen: Man lernt Durchhaltevermögen, fragt nach, wagt Neues und wächst über sich hinaus. Die Statements der Azubis zeigten ihm zufolge, wie wichtig es ist, offen über Probleme zu sprechen, Hilfe anzunehmen und an sich selbst zu glauben. Wer so mit Herausforderungen umgeht, sammelt nicht nur Wissen, sondern auch Weisheit – und ist auf diesem Weg nicht allein.
Darüber hinaus betonte Propst Vetter die Rolle junger Menschen in der heutigen Zeit: In einer Welt, die durch digitale Transformation, Künstliche Intelligenz und politische Umbrüche geprägt ist, setzten die Jugendlichen ein mutiges Zeichen, indem sie Verantwortung übernähmen und die Gesellschaft aktiv mitgestalteten.
Bereits zuvor hatte Hamburgs Schulsenatorin Ksenija Bekeris in ihrem Grußwort betont, dass Hindernisse auch Chancen sein können – und dass es wichtig ist, Auszubildende nicht allein zu lassen: „Unsere Berufsschullehrkräfte und viele Beratungsangebote stehen an eurer Seite.“
Musikalisch sorgte die Michel-Band (Leitung: David Baaß) mit ihrer beeindruckenden Leadsängerin Alicia Kohlhof sprichwörtlich für Gänsehaut-Momente. Am Ende des Gottesdienstes nahmen viele Azubis die Einladung zu einer persönlichen Segnung an – ein stiller Moment der Stärkung.
Beim anschließenden Get-together auf dem Michel-Vorplatz genossen die Gäste das spätsommerliche Wetter, angeregte Gespräche und das Miteinander. Es wurde deutlich, wie sehr der Azubi-Gottesdienst zum Ausbildungsbeginn Menschen zusammenbringt und verbindet – ein Moment der Gemeinschaft, der noch lange nachklingt.
Das Organisationsteam freut sich schon jetzt auf den Azubi-Gottesdienst 2026.
Alle Bilder im Beitrag: DINGSFILM